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Hintergrundinformationen zur Klimaanpassung

Der Klimawandel ist Tatsache!

Grafik Temperaturanomalie

Abbildung 1: Beobachteter Klimawandel. Differenz der mittleren Lufttemperatur zum langjährigen Mittel in der Klimanormalperiode 1971-2000 von 1880 bis heute (Daten: Deutscher Wetterdienst)


Der Klimawandel ist da. Wir erleben ihn durch beispielsweise heißere und trockenere Sommer, niedrigere Wasserstände des Bodensees aber auch durch Starkregenereignisse.

Bis zum Jahr 2100 wird je nach Szenario ein Anstieg der mittleren Lufttemperatur im Raum Friedrichshafen um 1,5 bis 4°C verglichen mit dem Zeitraum 1971-2000 erwartet.

Landschaft

Die Analyse betrachtet zu Beginn die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und die Wälder um Friedrichshafen. Die Veränderungen des Klimas bergen für beide Bereiche Chancen (z.B. früherer Austrieb im Frühling, längere Vegetationsperiode, neue Sorten), aber auch Risiken (z.B. Schäden durch Spätfrost, Hagel, Trockenheit, Schädlingsbefall).

Der Riedlewald und der Seewald sind als "Grüne Lungen" besonders wertvoll für die Menschen in Friedrichshafen. Aufgrund der zu erwartenden extremeren und längeren Hitzeperioden steigt die Bedeutung dieser Wälder als schattige und kühle Erholungsräume für Menschen und Tier. Aber auch sie verändern sich unter den Klimaeinflüssen, weil wichtige Baumarten wie Esche und Fichte von Schädlingen befallen werden oder Stürme Schäden verursachen.

Auch Schutzgebiete und Biotope, die Lebensraum für besonders schutzbedürftige Tier- und Pflanzenarten bieten, wurden unter die Lupe genommen. Ihr Zustand ist bereits durch zunehmenden Verkehr, Siedlungsdruck und angrenzend intensive landwirtschaftliche Nutzungen vorbelastet, sodass sich klimatische Stressfaktoren besonders stark auswirken können.

Die Menschen in Friedrichshafen profitieren von den stadtnahen wertvollen Naherholungsgebieten z.B. der Grünzug vom Leimbacher Ried bis zum Hauptfriedhof sowie die stadtnahen Wälder z.B. Seewald, Brochenzeller Wald. Große strukturreiche Flächen mit Grünland, Streuobst, Wald und Gehölzen ermöglichen ein erholsames Naturerleben in unmittelbarer Nähe zu den Siedlungsgebieten. Im Landschaftsraum wirken die intensiven, teilweise umzäunten und großflächigen Obstplantagen häufig als freiräumliche Barrieren und schränken die Naherholungsnutzung ein.

Siedlungsgebiete

Von der Landschaft kommend nähert sich die Analyse dem Stadt- und Siedlungsraum. Hier sind die Auswirkungen des Klimawandels unter anderem stark abhängig von der Lage in der Gesamtstadt, der Topographie, der Bebauungsart (z.B. Einfamilienhäuser mit Privatgarten, Wohnanlagen mit weitläufigen Grünflächen oder dichte Bebauung in der Innenstadt) und dem Versiegelungsgrad.

Die Aufenthaltsqualität an heißen Tagen ist in verdichteten Stadtteilen mit wenig Grün stark eingeschränkt. Aufgrund der hohen Versiegelung heizen sich diese stark auf. Zu nennen sind hier etwa der Altstadtkern und Bereiche von Friedrichshafen Mitte.  Belastet ist auch das Arbeitsumfeld der Menschen in einigen Industrie- und Gewerbegebieten.

Grafik Thermisches Empfinden

Die umfangreiche und detaillierte Betrachtung der öffentlichen Grün- und Freiflächen in Friedrichshafen steht im Mittelpunkt der Analyse. Für das Klima (Kaltluftproduktion, Frischluftversorgung) und die Ökologie in einer Stadt sind diese Flächen besonders wichtig. Die grüne Infrastruktur ist von den klimatischen Veränderungen betroffen, denn Trockenheit und Hitze bedeuten auch Stress für Pflanzen und Grünflächen.

Im Fokus der Betrachtung stehen das Angebot und die fußläufige Erreichbarkeit von öffentlichen Grünflächen und großen zusammenhängenden Freiflächen im Wohnumfeld, die für die Erholung und das Naturerlebnis unverzichtbar sind. Mit Zunahme der heißen Tage werden diese Flächen für die Menschen in Friedrichshafen weiter an Bedeutung gewinnen. Im Ergebnis gibt es deutliche Unterschiede im Versorgungsgrad und der Erreichbarkeit solcher Grünstrukturen im Stadtgebiet. Daraus lassen sich klare Handlungsempfehlungen ableiten.

Friedrichshafen verfügt über wertvolle öffentliche Grünanlagen für die ganze Familie wie der Riedlewald, der Uferpark, das Freizeitgelände Manzell und Fildenplatz, die Grünanlage in Wiggenhausen, den Lipbachpark in Kluftern sowie das Freizeitgelände Weilermühle.

Teilweise weisen die genannten Flächen jedoch in Nutzbarkeit, Ausstattung und Zustand Entwicklungspotenziale auf. So ist z.B. die Nutzbarkeit des zentralen Uferparks durch zahlreiche Veranstaltungen während der Sommermonate deutlich eingeschränkt. Die Wiesen und Uferbereiche sind für Familien mit Kindern kaum nutzbar.

Da es nur wenige einer solch großer öffentlicher Grünflächen gibt, unterliegen die bestehenden Anlagen einem hohen Nutzerdruck.

Die am See gelegene, hochverdichtete Kernstadt ist von großer Bedeutung für den Einzelhandel und den Tourismus. An heißen Tagen bieten die kleinkronigen Straßenbäume allerdings nur wenig Schatten und aufgrund des geringen Grünflächenanteils erhitzen sich die Gebäude und die Belagsflächen. Eine kühler und schattiger Platz befindet sich zwischen Rathaus und der Pfarrkirche St. Nikolaus.

Charakteristisch für Friedrichshafen ist eine Vielzahl von Strukturen mit Barrierewirkung: Die Bahnlinie, mehrspurige Hauptverkehrstraßen aber auch die großen Gewerbe- und Industriegebiete in zentraler Lage verringern die Durchgängigkeit der Stadtstrukturen für Fußgänger und Radfahrer. Teilweise verursachen diese weite Umwege. Die Zugänglichkeit des Bodensees zur Erfrischung an heißen Tagen ist entlang der Uferpromenade nur eingeschränkt möglich. Entwicklungspotenzial besteht im Bereich Grüne Vernetzung. Wünschenswert sind mehr grüne Wege zum See und in die Landschaft. Die vorhandenen öffentlichen Grünflächen sollten stärker miteinander verbunden werden.

Eine ausführlichere Zusammenstellung der ersten Ergebnisse finden sich in der Präsentation zum Klimaanpassungskonzept von faktorgruen bei der Auftaktveranstaltung am 30.1.2019 (zum Download, pdf, 10 MB) sowie auf dieser Webseite.